Markierungen einiger Verluste
Emilia Trog und Kristin Wenzel
Den Auftakt des diesjährigen Jahresprogramms zum Thema „Ordnugnssysteme“ bildet die Doppelausstellung der Künstlerinnen Emilia Trog (*1997) und Kristin Wenzel (*1983). Unter dem Titel „Markierungen einiger Verluste“ begeben sich beide auf eine poetische Spurensuche nach dem, was fehlt. Zwischen Fragment, Abdruck und Andeutung vermessen die Künstlerinnen Leerstellen – im Raum, im Material, im Gedächtnis. Im Zentrum steht die Frage, wie Verlust sichtbar gemacht und in eine künstlerische Form überführt werden kann. Ihre Arbeiten kreisen um das Sichtbarmachen des Unsichtbaren und fragen danach, wie Verlust Form annehmen kann.
Die in Gera präsentierte Arbeit von Kristin Wenzel (Titel: Die Vorstellung des Buchstaben Y) geht auf einen Workshop im Rahmen des Kunstfestes Weimar 2023 zurück. Dabei lud die Künstlerin 120 Teilnehmende ein, das barocke Schloss Friedrichswerth bei Gotha, einen historisch vielschichtigen und heute weitgehend ungenutzten Ort, zu erkunden. Die Künstlerin stellte den TeilnehmerInnen Materialien zur Verfügung, um keramische Abdrücke zu nehmen, die diese im Schlossgelände frei wählen konnten. Diese individuellen Fragmente setzt die Künstlerin zu einem Wandrelief zusammen und führt unterschiedliche Erinnerungsspuren, Perspektiven und Geschichten des Schlosses zusammen. Ein ähnliches Workshopprojekt ist auch während der Ausstellung in Gera geplant.
Emilia Trog arbeitet hingegen mit Bildern von Verbindungsstücken, die den Filmvorspann eines analogen Negativfilms mit einem angrenzenden Film verbinden. Durch die Trennung der beiden Filme nach der Entwicklung entstehen Versatzstücke, die Bildinformationen eines teilweise unbekannten Films enthalten. Die hohe Auflösung und Informationsdichte des Negativfilms ermöglicht es, die nur wenige Millimeter breiten Filmfragmente zu verorten. Strukturen, Landschaften und Personen werden sichtbar und geben einen Eindruck eines möglichen Bildes. Der abwesende Bildteil formuliert sich als gleichzeitiger Verlust und Gewinn von Bildpixeln. Diese aus traditionellen Filmsequenzen neu entstandenen Bildkonstellationen verstehen sich als offene Versuchsanordnung, in denen sich Strenge und Zufall, Kontrolle und Chaos begegnen. Sie vermittelt zugleich, dass Ordnung nicht als starres System, sondern als ein offener, lebendiger Prozess zu verstehen ist.
An das Erinnern – Ein Gespräch zwischen Kristin Wenzel und Tanja Krone
